Waldkinderhaus
- Beschreibung:
- Realisierungswettbewerb 2016 - 1. Preis, zusammen mit ).( bauchplan, 6-gruppige Kindertagesstätte
- Bauherr:
- Stadt Walldorf
- Standort:
- Walldorf, Baden-Württemberg
- Fertigstellung:
- 2023
- BGF:
- 1.880 m²
- Fotos:
- Stefan Meyer
Im Walde möcht’ ich leben, zur heißen Sommerzeit!
Der Wald, der kann uns geben, viel Lust und Fröhlichkeit.
In seine kühlen Schatten winkt jeder Zweig und Ast;
Das Blümchen auf den Matten nickt mir: komm, lieber Gast!
Wie sich die Vögel schwingen im hellen Morgenglanz!
Und Hirsch’ und Rehe springen, so lustig wie zum Tanz.
Von jedem Zweig und Reise hör nur, wie’s lieblich schallt!
Sie singen laut und leise: Kommt, kommt zum grünen Wald!
(Hoffmann von Fallersleben 1835)
Städtebau und Gebäude
Der Grundkörper des neuen Kinderhauses besteht aus einem ruhigen eingeschossigen Baukörper.
Das Gebäude öffnet sich mit einladender Geste zum gepflasterten Vorplatz, darüber hinaus durch einen Hofeinschnitt zum Garten und zum Wald hin. Natur und Gebäude verschmelzen miteinander, das Kinderhaus wird zum „Waldkinderhaus“.
Alle sechs Gruppen sind baugleich auf einer Ebene um den Gartenhof angeordnet. Sie sind flexibel nutzbar. Im Bedarfsfall kann eine Gruppe für Unterdreijährige jederzeit in eine Gruppe für Überdreijährige umgewandelt werden. Dienende Räume wie die Küche, Vorbereitung und Verwaltung, aber auch die Gemeinschaftsräume sind auf kurzem Wege erreichbar. Kosten für einen Lift sind nicht vorhanden. Die Barrierefreiheit ist garantiert und dadurch der Inklusionsansatz im Konzept integriert.
Das Tageslichtspektrum wird im gesamten Gebäude und im Gartenhof erlebbar. Das Atrium dient auch als Klimapuffer. Vorgelagerte Terrassen orientieren sich zu allen Richtungen hinaus, ermöglichen interessante Ausblicke zur Landschaft und zum Sportpark.
Die kombinierbaren Multifunktions- und Essbereiche dienen als gemeinsame Treffpunkte. Sie werden auch hybrid für Veranstaltungen und Feste des Wohnquartiers genutzt.
Material, Konstruktion und Energie
Der Neubau des Kinderhauses ist als seriell vorgefertigte Holzmassivkonstruktion konzipiert. Der modulare Aufbau der Raumeinheiten begünstigt den Vorfertigungsprozess. Materialien und Konstruktionen wurden so gewählt, dass sie sortenrein trennbar sind, eine lange Nutzungsdauer aufweisen und perspektivisch wiederverwendet oder recycelt werden können. Die Holzkonstruktion bietet eine nachhaltige sowie robuste Bauweise bei minimierter Bauzeit.
Die Außenwände besitzen eine hinterlüftete Schalung aus vorpatinierter deutscher Lärche. Der warme Werkstoff Holz wird auch zum Wegbegleiter im Inneren. Auf den Böden wurde ein pflegeleichter Linoleumbelag eingesetzt. Auch im restlichen Ausbau wurden nachhaltige, natürliche und rezyklierbare Baustoffe eingesetzt. Lehmplatten tragen als Alternative zu Gipskartonplatten im Innenausbau zur Verbesserung des Mikroklimas bei.
Lamellenartige “Holzvorhänge” an den Terrassen und Fenstern gewähren einen zusätzlichen baulichen Sonnenschutz an heißen Tagen. Durch die Überstülpung der Fassade im Attikabereich werden weitere Fledermausquartiere für eine geschützte, bestehende Population am Waldrand geschaffen. Natur wird anschaulich vermittelt und in den pädagogischen Alltag der Kinder integriert.
Das Energiekonzept setzt zuallererst auf eine Minimierung des Energiebedarfs und im zweiten Schritt auf eine nachhaltige und effektive Deckung des verbleibenden Bedarfs. Dieser wird zum größten Teil durch solare Energie gedeckt. Die Wärmeverteilung erfolgt auf einem möglichst niedrigen Temperaturniveau mittels Fußbodenheizung. Zur Einsparung von Investitions- und Betriebskosten ist die Haustechnik als Low-Tech Ansatz auf ein vertretbares Mindestmaß reduziert.





































